Monografie über Regula Syz
2025, Kerber Verlag, Berlin
Projektleitung • Konzept in Zusammenarbeit mit Regula Syz und dem Kerber Verlag • Grafische Gestaltung • Bildbearbeitung • Textbeitrag • Buchpräsentation und Ausstellung in der Galerie Art & Business, Zürich
Regula Syz öffnet den Blick für die Fülle des Lebens im Spannungsfeld zwischen der äusseren Wahrnehmung und der inneren Welt. Ihre Bilder sind authentischer Ausdruck des eigenen Erlebens – von gesellschaftlichen Realitäten bis zu Träumen. Sie spiegeln die Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Kräften, zeigen das blühende Leben ebenso wie Bedrohung und Zerstörung.
Das über 50 Jahre umspannende Werk ist durch einen Umbruch im Jahr 1999 gekennzeichnet: Ein Atelieraufenthalt in Genua leitete den Wechsel von der präzisen Aquarelltechnik zur Acrylmalerei auf grossen Formaten ein; Schönheit und Harmonie wurden abgelöst von Expressivität und Bewegung. «Roter Rabe – Schwarzer Mohn» fokussiert diese zweite Werkphase, es werden aber auch Arbeiten der früheren Jahre sowie Ausschnitte aus den Arbeitsbüchern gezeigt, wodurch eine umfängliche Betrachtung von Regula Syz’ künstlerischem Schaffen ermöglicht wird.
Buchvernissage und Ausstellung
Galerie Art & Business, 19.–23. März 2025
Buchvernissage: Mittwoch, 19. März, 18–20 Uhr
Präsentation durch Kurator und Gestalter Guido Baumgartner. Apéro
2025, Kerber Verlag, Berlin, 240 Seiten, 230 Abbildungen, 24 × 28 cm
ISBN 978-3-7356-1001-0
Deutsch, Englisch
Texte von: Judith Annaheim, Katja Herlach, Dorothee Messmer
Auszug aus dem Textbeitrag von Judith Annaheim
VOLLER LEBEN
Malen ist für sie fast wie atmen. Seit 55 Jahren vergeht bei Regula Syz kaum ein Tag ohne Farbe. Die Malerei ist nicht bloss ihr künstlerisches Medium, sondern vielmehr ihr Lebenselement. In diesem Element bewegt sie sich auch dann, wenn sie gerade nicht am Malen ist. Ob sie eine Zeitung aufschlägt, draussen unterwegs ist oder von der Nacht die Erinnerung an einen Traum mitnimmt – jede Art von Wahrnehmung mag sich früher oder später in einem Bild niederschlagen. In diesem Kontinuum von Leben und Kunst wandeln sich Erfahrungen zu Traumbildern, Emotionen zu Farbstimmungen, und Gemaltes löst Erkenntnisse und Reflexionen aus, die wiederum ein neues Licht auf die Erfahrungswelt werfen. Es scheinen sich dabei Zyklen und rhythmische Prozesse zu vollziehen, die das Leben in immer grösseren Kreisen umfassen.
So macht Regula Syz eigentlich etwas sehr Schwieriges: Sie gibt sich in Bezug auf Inhalt und Form die grösstmögliche Freiheit. Abstraktes trifft auf Figuratives, Realistisches darf ebenso Teil des Bildes sein wie Traumhaftes, konkrete Erzählung gewinnt eine tiefere Dimension unter der Kraft eines Symbols. Der Nährboden und oft der Anfang des Malprozesses ist Farbe, ohne Absicht und intuitiv gesetzt – in Kompositionen, in Schichten, in Klängen. Daraus scheinen die gegenständlichen Elemente aufzusteigen wie aus einer immerfort dampfenden Farbküche. Die Arbeitsweise ist assoziativ: Auf einmal sieht die Malerin in den Farbflächen ein Augenpaar; eine Kontur, etwas Erkennbares zeichnet sich ab. Aus groben Pinselstrichen taucht ein Tiergesicht auf: die verschmitzte Katze, das fröhliche Schwein, die geheimnisvolle Schlange oder der kluge Rabe. Die Tiere berühren mit ihrem Blick, ihrer Körperhaltung und scheinen in dieser treffenden Darstellung einer spontanen Gebärde entsprungen zu sein. Und der Eindruck täuscht nicht: Regula Syz arbeitet schnell, ist immer in Bewegung.
Das Gegenständliche stellt sich fast nebenbei ein. Doch in diesem unmittelbaren Ausdruck stecken Jahrzehnte an Erfahrung im naturgetreuen Malen und Zeichnen, in Naturbetrachtung sowie in Porträt- und Aktmalerei. Diese Übung erlaubt ihr jetzt, Werke mit weniger Rationalität, dafür mit mehr körperlicher Bewegung und emotionaler Bewegtheit zu schaffen.
Dreissig Jahre lang, von 1966 bis etwa 1996, malte Regula Syz Aquarelle und war sich gewiss, damit ihre Sprache gefunden zu haben …










